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Themen: Adipositas, Übergewicht, Abnehmen mit und ohne Magenband

Projekt xxl
 

 

Leseprobe aus "Projekt XXL - oder wie wird man 40 Kilo los?"
mit freundlicher Genehmigung der Autorin Sabine Grillitsch


Übergewicht, Adipositas, Projekt xxl, Buchcover

2. April

Ende. Schluss. Aus. Im Anfangsstadium zunehmender Paranoia, hervorgerufen durch meine ausufernde anatomische Beschaffenheit, erkläre ich den Notstand! Es reicht! Bis hierher und nicht weiter! Heimgesucht von dieser fruchtlosen Endzeitstimmung, rufe ich hier und jetzt zur Revolution auf und trete an zur Flucht nach vorn. Ich will nicht mehr!

Es ist Montag, und ich ernenne diesen Tag zum hochoffiziellen Start meines Projekts. Zu den Eckdaten: Ich bekenne mich zu stolzen 93 Kilo Kampfgewicht, zu einem Körper, der etliche Ab- und Zunehmrituale, zwei Schwangerschaften und Stillperioden sowie 34 Jahre Lebenserfahrung hinter sich gebracht hat. Und zu einer ramponierten Seele, die leidet.

In Kombination mit meiner Körpergröße von 174,5 cm blicke ich auf einen Body-Mass-Index (BMI) von 30,7 - soll heißen, ich befinde mich in der Gefahrenzone und steuere mit Pauken und Trompeten einer Adipositas zu. Ich fühle mich furchtbar, bin überaus unleidlich und überspannt und neige fallweise dazu, mich mit verächtlichen Adjektiven wie "hässlich", "fett" und "unansehnlich" zu brandmarken - Wörter, die an meinem femininen Selbstverständnis nagen und nicht unwesentlich dazu beitragen, meine Frustrationstoleranz auf ein beschämend niedriges Niveau sinken zu lassen.

Als neurotische Mittdreißigerin ohnehin prädestiniert für die Psycho-Couch, bin ich es jedoch leid, mich ständig mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen abplagen zu müssen, die an meinem Ego knabbern. Ich finde keinen Gefallen mehr daran, tagein tagaus dickfellige Gelassenheit vorzuheucheln und ausgeprägtes Selbstvertrauen zu simulieren, nur um mich davor zu bewahren, im stillen Kämmerlein das große Heulen zu kriegen. Es wird höchste Zeit, gegen den unaufhörlichen Rechtsdrall der Waage Sturm zu laufen und dem widerwärtigen Fettgewebe zu Leibe zu rücken. Ich bin bereit. Das Spiel ist eröffnet.

Tag eins: Die Kunst, eine Diät durchzuhalten, besteht unter anderem darin, sich mit Konsumgütern einzudecken, die a. ein geschmackliches Wohlwollen erzeugen, b. die stets herrschende Genusssucht befriedigen und sich c. aus freien Stücken der sofortigen Verdauung ausliefern. Womit wir bereits in Teufels Küche, sprich beim Knackpunkt wären. Die Bescheidenheit der Bandbreite verlangt sprühenden Einfallsreichtum, beschränkt sich diese primär doch auf Kohlehydrate, Obst, Gemüse, gackerndes Federvieh und Fisch. Der Not gehorchend, suche ich bereits im Morgengrauen den Gemischtwarenhändler auf und fülle meine Vorratslücken mit Salat, Radieschen, Tomaten, Erdbeeren und Joghurt. Den Frühlingsgefühlen sei Dank, dass ich beim Anblick dieses Hamsterkaufs nicht schlagartig in Tränen zerfließe und einem Gesinnungswandel unterliege. Aber nein! Ich halte durch und komplettiere den Auftakt meines Pilotprojekts mit 30 Minuten Sport.

Es ist 23 Uhr 18 - und Tag 1 ist gelaufen.


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